Der Anschuss


BEGRIFFSKLÄRUNG: Der Anschuss ist diejenige Stelle, an der das Wild gestanden hat, als es vom Geschoss getroffen wurde. Der Schweisshund wird immer am Anschuss angesetzt (Schalenabdruck / Fährte). Um zum kranken Stück zu finden, nimmt der Hund am Anschuss die Individualwitterung und die Bodenverwundung zusammen auf und folgt der Spur. 

 

Pirschzeichen zu erkennen und aus ihnen die richtigen Schlüsse ziehen zu können, ist für jeden Schweisshundeführer wichtig.

Vielfach entscheidet sich schon am Anschuss, ob eine Nachsuche erfolgreich endet oder nicht. Der Hundeführer und sein Schweisshund sind vom ersten Augenblick an gefordert.

Oft sind die Angaben des Schützen ungenügend und er kennt weder die Schusszeichen noch den genauen Standort des beschossenen Wildes.

 

In diesen Fällen wird zuerst mit einer Vorsuche der Anschuss gesucht. Dann gilt es die Pirschzeichen richtig zu deuten. Allenfalls kann die Trefferlage beurteilt werden. Und schliesslich stellt sich die Frage, ob der Hund in der Lage ist, die Aufgabe zu bewältigen. Handelt es sich um eine Tod- oder Lebendsuche? Muss der Hund geschnallt werden? Muss er hetzen und stellen? Müssen Abstellschützen positioniert werden?


VORAUSSETZUNGEN: Damit der Anschuss in Ruhe kontrolliert werden kann, muss der Schweisshund abgelegt werden und sich ruhig verhalten, bis der Führer von ihm verlangt, die Fährtenarbeit aufzunehmen.

 

Der Hund trägt schon jetzt die Warnweste und die Schweisshalsung. Der Führer trägt ebenfalls eine Weste und hat den Rucksack umgeschnallt. Erst dann, wenn alles vorbereitet ist, begibt er sich zum Anschuss.

Beim Untersuchen des Anschusses ist darauf zu achten, dass Jäger und Hundeführer nicht den Anschuss oder Teile der Fährte zertreten und so die Nachsuche für den Hund unnötig erschweren. Bestenfalls kennt der Jäger den genauen Standpunkt des Wildes und hat entsprechend den Anschuss verbrochen.


HINWEISE AUF DIE TREFFERLAGE & DIE ART DER VERLETZUNG: Um die Pirschzeichen am Anschuss richtig deuten zu können, sind fundierte Kenntnisse der Anatomie der betreffenden Wildart von Vorteil.

So verrät die Farbe und Konsistenz des Blutes beispielsweise, ob es sich um einen Lungen- oder doch eher Leberschuss handelt. Schnitt- oder Risshaare geben weitere Auskünfte über die Trefferlage. Viele Hundeführer legen sich mit der Zeit ein Schnitthaarbuch zu. Liegen scharfkantige Röhrenknochen am Anschuss, weiss der Hundeführer, dass es sich um einen Laufschuss handelt. Pansenteile weisen auf einen Weidwundschuss hin. Zahnteile verraten einen Kieferschuss. Und so lässt sich mit anatomischen Kenntnissen schon sehr viel voraussagen. Das Trittsiegel kann etwas über die Grösse und das Gewicht des Wildtieres aussagen. Zudem ist es ideal, um den Schweisshund anzusetzen. Blut trocknet nach einiger Zeit ein und ist für den Hund dann schwer riechbar. Manchmal fehlt Schweiss gänzlich, da das Wildtier einblutet oder an einer Stelle verletzt wurde, wo weinig Schweiss fliesst. Am Anschuss ist nicht immer Schweiss erkennbar.

 

Eine Fährte ist aber in jedem Fall da. Schalenwild kann nicht fliegen.

 

Um teilweise nicht einfach sichtbaren Schweiss feststellen zu können, hilft ein weisses Papiertaschentuch mit dem man vorsichtig den Anschuss abtupft.

 

Lässt sich die Fluchtrichtung voraussagen, ist dies eine zusätzliche Hilfe, da man den Hund die ersten Meter besser auf der Fährte einweisen kann.

 


TIPP

Um einen Anschuss gründlich zu untersuchen und auch kleine Pirschzeichen zu erkennen, muss man in die Hocke gehen. Es kann dabei hilfreich sein, das Auge mit der Hand zu führen. Eines systematische Suche ist Voraussetzung für den Erfolg. Jede Minute, die für die Anschussutnersuchung verwendet wird, ist gut investiert.